Montag, 16. Januar 2012

Occupy: Hippies und Gänseblümchen unter sich

Zum Aktionstag der Occupy-Bewegung am 15. Januar
Aus die Maus. Occupy ist mausetot. Als Zombie wird die Bewegung wiedererstehen, wenn die Temperaturen bei über 20 Grad liegen. Denn es geht nicht um Politik, sondern um wohlfühlen: Man will open air herumlungern, ein bisschen zelten, der Joint kreist, schreckliche Gitarrenlieder nerven die Passanten. Ringelpiez mit Anfassen. Das alles kann man bei den aktuellen Temperaturen nicht machen, obwol der Winter mild ist.
Der Aktionstag am Samstag, ein Flop. In Berlin 800 Leute – weniger als ein Zehntel als auf der Luxemburg-Demo der Normalo-Linken. Aber nicht die Zahl zählt, sondern die Inhalte: Das ist einfach null, allgemeines Demokratie-blabla, seichte Geldkritik, und dann noch ein bisschen Revolutionskrakeel. Da muss man viel geraucht haben, um das gut zu finden. Herrlich der Bericht in der FR-.
Was mir besonders auffällt: Schon bisher gab es ja keine Forderung zum Thema Euro, der brennenden Geldfrage auf unserem Kontinent. Nun kommt das dröhnende Schweigen zum drohenden Iran-Krieg hinzu. Eine Bewegung, die nicht Nein sagt zu diesem Krieg, ist nichts wert. Ein katholischer Pfarrer, der völlig im Hier und Jetzt verwurzelt und stockkonservativ ist, aber gegen den Krieg eintritt, ist tausend Mal revolutionärer als ein Rrrevoluzzer, der alles anders haben will, aber kein Gespür für die konkreten Wendepunkte hat.
By the way: Der Occupy-Mensch, der bei unserer COMPACT-Veranstaltung mit aufm Podium saß, musste sich anschließend intern schwer mobben lassen, weil er das gemacht hat. Und: Die Gruppe „Bandbreite“, die eigentlich auf dem Berliner Event am 15.1. spieln sollte, wurde wohl (ich bin nicht ganz aufm letzten Stand)  ausgeladen.Wäre auch Perlen vor die Säue gewesen.
Deswegen: Vergesst Occupy. Kommt lieber zum COMPACT-Kongress „Bürger gegen Eurowahn – Volksentscheid jetzt!“ am 18. Februar in Berlin. Da wird KONKRETER Widerstand gegen das Euro-System geplant – per Volksentscheid und per Wahlalternative. „Ein Schritt wirklicher Bewegung ist hundert Mal mehr wert als ein Kilogramm revolutionärer Programme“ – sagte (so ähnlich) wer?


Quelle: Jürgen Elsässer

Kommentare:

  1. Ich habe im Oktober 2011 geschrieben: Occupy Bewegung: Revolution oder Kasperletheater? http://der-richtige-riecher.blogspot.com/2011/10/occupy-bewegung-revolution-oder.html Eine inszenierte Pseudorevolution für die blöde Masse, um sie noch mehr zu deprimieren. Seit Oktober ist ein Vierteljahr vergangen und die Lage hat sich weiter verschärft. Täglich bekommt das Volk (wenn man überhaupt noch von einem Volk sprechen kann) gezeigt, daß es nichts, aber auch gar nichts zu sagen hat und daß nichts dagegen unternommen werden kann. Jeder Widerstand ist zum Scheitern verurteilt. Ich habe den Eindruck, daß die Menschen sich immer mehr zurückziehen, immer unaktiver werden, nicht mal mehr auf konkrete und gute Lösungsvorschläge wie den Plan-B http://der-richtige-riecher.blogspot.com/2011/12/plan-b-revolution-des-systems-fur-eine.html oder auf Aktionen wie die Brückentage http://der-richtige-riecher.blogspot.com/2012/01/aufruf-zur-aktion-dienstag-ist.html wenigstens mit Widerspruch reagieren. Es scheint allen alles Scheißegal zu sein. Es gibt kaum noch Resonanz, egal auf was. Nicht auf Positives und nicht auf Negatives. Weder in den Blogs noch in den Foren. Das ist eine sehr gefährliche Zeitbombe, die hier tickt. Ich sehe ein gewaltiges Potential von unterdrückter Wut und angestauter Resignation, welches sich irgendwann explosionsartig entladen wird. Und ich schätze, es wird sich unkontrolliert entladen und dann wieder mal die Falschen treffen. Jürgen Elsässer hat übrigens eine bemerkenswerte Rede gehalten http://www.youtube.com/watch?v=qymiRVRU0Ew

    Gruß Dirk

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  2. Die Rede ist übrigens wirklich sehr gut. Ein Profi eben.

    Philip

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