Samstag, 8. Mai 2010

Sternautor zeigt mit dem Finger auf "Die Griechen"

Am Freitag den 07.05.2010 erhielt ich nachstehenden Text zum Thema Griechenland-Schuldenübernahme, von einem Stammtischmitglied. Verfasst wurde der Text vom Sternautor Walther Wüllenweber und ist vom 05.März.2010. In üblicher Stern-Manier zeigt der Autor mit dem Finger auf die vermeintlich Schuldigen in dieser Krise. Herr Wüllenweber zeigt dabei 300%ig auf sich selbst. Denn ohne die Selbstkritikritik der Journalisten unserer systemtreuen Medien, können dieselben nicht alleine erklären, warum die Individuen in einer Volkswirtschaft sich so oder so verhalten. Auch kommt mir die Kritik oder wenigstens das Aufzeigen der Hintergründe der EU-Sparpläne ein wenig zu kurz. Die sind letztlich nämlich dafür da, die Menschen zu enteignen, auch diejenigen im Text unten nicht erwähnten ehrlichen Handwerker, Bürger, Angestellten, Menschen.

Frechheit sag ich!

Alles in allem schwingen dennoch auch nicht ganz unwichtige Informationen im Text mit, weshalb ich ihn nach langem Ringen dann doch poste.

Eine Gründliche Analyse Ihrerseits ist demokratisch liebe Leser. Dann sind falsche Emotionen und Manipulationen hoffentlich bald ausgeschlossen. Aber wem erzähle ich das.

Autor: Lars


Ein Beschwerdebrief von Stern-Autor WALTER WÜLLENWEBER (05.03.2010) 

"Liebe Griechen!

Kennt Ihr das bei Euch auch, eine Tante, die einem die ganze Kindheit und Jugend hindurch das Sparschwein fuettert? Beim ersten Fahrrad, dem ersten Radio, der ersten Urlaubsreise - immer gibt sie ein paar Scheine dazu.

Und dafuer verlangt sie nichts weiter als ab und zu mal ein freundliches Dankeschoen.

Liebe Freunde, dies ist ein Brief von Eurer Geldtante.

Keine Angst, Ihr muesst nicht Danke sagen. Das Einzige, was wir uns wuenschen, ist: Versetzt Euch mal in unsere Lage.

Seit 1981, seit 29 Jahren, gehoeren wir zur selben Familie, zur EU. Kein anderes Familienmitglied hat in dieser Zeit so viel Geld in die Gemeinschaftskasse gesteckt wie wir, naemlich netto rund 200 Milliarden Euro.

Und pro Nase hat kaum einer so viel bekommen wie Ihr, zusammen netto fast 100 Milliarden.

Rund die Haelfte also von dem, was wir in den EUTopf gekippt haben, habt Ihr mit grosser Kelle abgeschoepft.

Oder anders ausgedrueckt: Rein rechnerisch haben wir Deutschen mit den Jahren jedem von Euch Griechen, vom Saeugling bis zum Greis, ueber 9000 Euro geschenkt. Einfach so. War doch nett, oder?

Freiwillig hat wohl noch nie ein Volk ein anderes ueber einen so langen Zeitraum so grosszuegig unterstuetzt Ihr seid fuerwahr unsere teuersten Freunde.

Wie es uns dabei ging, in all den Jahren, das habt Ihr nie gefragt. Ich vermute, auch heute brennt Ihr nicht gerade darauf, etwas ueber unsere Sorgen zu erfahren.

Ich erzaehle es Euch trotzdem:

Unsere Strassen sind so loechrig wie antike Bauwerke, weil uns das Geld fuer die Instandhaltung fehlt.

Bibliotheken und Schwimmbaeder werden geschlossen.

Manche Staedte schalten nachts jede zweite Strassenlaterne aus, weil sie die Stromrechnung nicht bezahlen koennen.

Im Gegensatz zu Euren steigen unsere Loehne seit der Einfuehrung des  Euros praktisch gar nicht mehr.

Und jetzt sollen wir auch noch Euch Griechen retten.

Die Sorgen um Euch, die haben uns gerade noch gefehlt.

Ihr habt Euch unser Misstrauen redlich verdient: Im Sommer fackelt Ihr regel maessig dieses schoene Land ab, das Gott Euch geschenkt hat.

Und dann ruft Ihr nach unserer Feuerwehr, weil Ihr es nicht allein geloescht kriegt.

Ihr wollt alle in den oeffentlichen Dienst, aber keiner will Steuern zahlen.

Wenn auch nur ein Teil der Berichte stimmt, die wir in den vergangenen Wochen lesen mussten, dann seid Ihr offenbar nur bereit zu arbeiten, wenn Ihr dafuer Schmiergeld bekommt.

Vor allem Eure Aerzte und das Krankenhauspersonal langen kraeftig zu.

Ihr betruegt Euch also gegenseitig, wo Ihr nur koennt. Das kann uns egal sein. Doch Ihr betruegt auch uns. Seit vielen Jahren. Das ist uns nicht egal.

Ihr kassiert fuer mehr Olivenbaeume EU-Subventionen, als in Euer Land passen. Offenbar versteht Ihr doch was von Buchfuehrung, denn um die Stabilitaetskriterien fuer den Euro zu erfuellen, habt Ihr Eure Buecher so systematisch und geschickt gefaelscht, dass die Bruesseler nichts gemerkt haben. In Wahrheit habt Ihr den Euro nie verdient. Trotz Eurer erschwindelten Daten ist es Euch seit der Einfuehrung des Euro noch nie gelungen, die Stabilitaetskriterien zu erfuellen.

Um Eure Wirtschaft groesser erscheinen zu lassen, habt Ihr Euch 2006 einen huebschen Taschenspielertrick einfallen lassen und kurzerhand die Erloese aus Geldwaesche, Rauschgifthandel und Schmuggel in die jaehrliche Wirtschaftsleistung Eurer stolzen Nation angerechnet.

Ueber Jahrzehnte mehr Geld ausgeben, als man sich erarbeitet, wie selbstverstaendlich auf Kosten von anderen zu leben, laufend betruegen und tricksen - das kann nicht ewig gut gehen.

Irgendwann bricht das Kartenhaus zusammen. Irgendwann ist jetzt. Streng genommen seid Ihr pleite.

Macht Euch keine Illusionen. Wenn Angela Merkel verspricht, "Griechenland wird nicht allein gelassen", dann geht es unserer Kanzlerin und uns Deutschen nicht mehr um Euch Griechen.

Unsere Sorge gilt allein unserer eigenen Zukunft Das Unglueck ist nur:

Wir sind an Euch gekettet.

Wenn Ihr untergeht, zieht Ihr uns mit unter Wasser. Zum Beispiel durch die 300 Milliarden Schulden, die Ihr mit den Jahren aufgetuermt habt.

Rund 30 Milliarden davon gehoeren den Sparern bei deutschen Banken, in Form von Staatsanleihen. Ob Ihr das jemals zurueckzahlen werdet?

Euretwegen geht der Euro in die Knie.

Uns droht die Inflation. Das bedeutet: was deutsche Sparer auf dem Sparbuch oder in  Lebensversicherungen fuer die Zukunft zurueckgelegt haben, wird immer weniger wert. Wegen Euch.

Solche Gedanken sind Euch natuerlich fremd, denn sparen oder investieren ist nicht Euer Ding. Ihr haut die Euros lieber raus.

In der EU seid Ihr Griechen das Volk, das von seinem Geld den groessten Anteil fuer den Konsum verprasst.

Die Regierungschefs der EU haben zwar beschlossen, dass Ihr keine direkten Finanzhilfen bekommen sollt.

Erst mal. Doch Ihr braucht Hilfe. Und in der EU bedeutet Hilfe am Ende immer Geld, genauer: unser Geld.

So langsam wird uns Deutschen klar: Zuerst mussten wir die Banken retten, jetzt muessen wir Euch Griechen retten und schliesslich alle Laender mit einer Schweinewirtschaft -die "PIIGS", Portugal, Italien, Irland, Grieche land, Spanien.

Ein Staatsbankrott eines dieser Laender, darin  sind sich die Experten ausnahmsweise einig, waere eine Tragoedie, die selbst die Bankenkrise wie ein Lustspiel erscheinen liesse. 

Kluge deutsche Staatsrechtler haben schon vor der Einfuehrung des Euro

gewarnt: Die Wirtschaftsunion kann ohne die politische Union nicht funktionieren. Sie hatten recht. Jetzt erkennen wir das dramatische Demokratie-Defizit.

Wir Deutschen sind von den Entscheidungen der Regierung Griechenlands abhaengig. Aber wir koennen sie nicht waehlen. Ihr Griechen koennt sie waehlen, aber Ihr habt ganz andere Interessen. Wir wollen, dass Euer Ministerpraesident Georgios Papandreou sein Sparprogramm durchzieht.

Mindestens. Besser waer's, wenn er beim  Reformieren noch einen Zahn zulegte. Aber Ihr wollt das ganz offensichtlich nicht.

Ihr macht, was Ihr immer macht: Ihr streikt. Letzte Woche der oeffentliche Dienst, naechste Woche alle, Generalstreik.

Liebe, teure Griechen, wenn Ihr naechste Woche auf die Strasse geht, dann streikt, dann demonstriert, dann protestiert Ihr nicht gegen Eure Regierung, sondern gegen uns. Dem Zorro, der Euch stets gerettet hat und weiter retten soll, dem versetzt Ihr einen Tritt zwischen die Knie. 

Liebe griechische Finanzbeamte, geht naechste Woche bitte nicht streiken, sondern treibt endlich mal die Steuern Eurer Millionaere ein, von denen Ihr bislang fuers Wegschauen so fuerstlich entlohnt werdet.

Liebe griechische Aerzte, geht naechste Woche bitte nicht streiken, sondern behandelt Eure Patienten.

Von jetzt an, ohne vorher um einen Geldumschlag zu bitten. Und dann versteuert einfach Euer Einkommen.

Ja, dann koennt Ihr Euch den naechsten Porsche erst ein Jahr spaeter bestellen. Ihr werdet es ueberleben. 

Liebe Rentner Griechenlands, wenn bei uns jemand sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, bekommt er nicht mal 40 Prozent seines durchschnittlichen Einkommens als Rente. Damit sind wir auf dem viertletzten Platz der OECD-Laender. Und wer ist auf Platz eins? Richtig:

Ihr.

Ueber 95 Prozent Eures durchschnittlichen Einkommens goennt Ihr Euch als Rente. Um das hinzukriegen, greift Ihr wieder in die Trickkiste: Ihr bezieht einfach die Rentenhoehe nicht aufs ganze Leben, sondern nur auf die letzten drei bis fuenf Arbeitsjahre. Darum ist es bei Euch ueblich, dass der Arbeitgeber den Lohn am Ende noch mal kraeftig erhoeht Von dem Geld, mit dem wir Euch fast 30 Jahre lang gesponsert haben, goennt Ihr Euch eine komfortablere Altersversorgung, als wir uns leisten koennen.

Findet Ihr das gerecht? Also, liebe Rentner in Griechenland: Ihr seid die Generation, die diese Misere verursacht hat.

Jetzt haltet mal die Fuesse still, geht nicht demonstrieren, und lasst Eure Regierung die Sparplaene durchziehen.

Und, liebe Buerger Griechenlands, redet Euch nicht damit heraus, Eure Politiker seien allein schuld an der Katastrophe.

Ihr habt doch die Demokratie erfunden und solltet wissen, dass Ihr, das Volk, regiert und damit verantwortlich seid.

Niemand zwingt Euch, Steuern zu hinterziehen, Schmiergelder anzunehmen, gegen jede vernuenftige Politik zu streiken und  korrupte Politiker zu waehlen. Politiker sind Populisten. Die machen genau, was Ihr wollt.

Sicher werdet Ihr jetzt einwenden:

Ihr Deutschen, Ihr seid doch auch nicht viel besser. Stimmt. Ein Rentensystem, dem kaum einer noch traut, Beamtenpensionen, von denen niemand weiss, wie sie in der Zukunft bezahlt werden sollen, ein Steuersystem, das so  aussieht, als haetten erfahrene Hinterzieher es sich ausgedacht, und vor allem ein Schuldenberg, der irgendwann ins Rutschen geraet und alles unter sich begraebt -genau diese Probleme haben wir auch. 

Und  Ihr seid uns auf diesem Pfad der Untugend nicht so weit voraus, wie viele glauben. Frueher habt Ihr Griechen uns den Weg gewiesen, habt der Welt die Demokratie, die Philosophie und das erste  Verstaendnis fuer Nationaloekonomie beigebracht.

Jetzt weist Ihr uns wieder den Weg. Nur ist es diesmal der Irrweg. Da, wo Ihr seid, geht's nicht weiter.

 

Herzliche Gruesse,

Walter Wuellenweber

 

PS: Meldet Euch doch mal! Ueber eine Antwort wuerden wir uns freuen."

Quelle: Stern.de

 

Kommentare:

  1. Anarchistenbrötchen13. Mai 2010 um 04:04

    Hier sieht man wieder ganz klar wie von den Medien versucht wird die Ethnien gegen einander aufzuhetzen!
    Einer muss ja Schuld haben, früher waren es die Juden, heute sinds die Griechen.
    Jahrelang hat mann uns doch im Geschichtsunterricht eingebläut, das genau "so" der Faschismus vorgegangen ist.

    Scheiss polemische Medienfuzzis!!!

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  2. Eine Hetzschrift wie man sie eigentlich in der Bildzeitung erwarten würde. Statt so einen Mist zu verfassen sollte Herr Wüllenweber lieber mal einen Brief an die steinreichen Akteure hinter den Kulissen schreiben.

    Mich macht diese Kurzsichtigkeit so sauer!

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